Blick in das 1941 geschaffene Judengetto von Riga.
Es ist benachbart zur Altstadt und an einer Ausfallstraße gelegen. – Unübersehbar.
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1942.
Trotz extrem dichter Besiedlung des Gettos sind nur zwei Menschen zu sehen. Möbel stapeln sich auf der Straße – möglicherweise nach einer Teilräumung, also Mordaktion.
Der Judenmord im „Reichskommissariat Ostland“
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion beginnt auch der Mord an den Juden. In Absprache mit den Wehrmachtskommandanturen handeln zunächst „Einsatzgruppen“, zusammengesetzt aus SS/SD-Angehörigen, regulären deutschen Ordnungspolizisten und vor Ort rekrutierten einheimischen Hilfskräften; manchmal schießen auch Wehrmachtsangehörige zu ihrer Belustigung mit. Ab August 1941 durchkämmen die Mordkommandos die besetzten Gebiete: Juden auf dem Lande ermorden sie sofort, großstädtische Juden, die oft in kriegswirtschaftlich wichtigen Handwerken tätig sind, ziehen die Zivilverwalter in wenige Gettos zusammen.
In einem halben Jahr, bis Januar 1942, ermorden in stationäre Sicherheitspolizeidienststellen umgewandelte SS- und Polizeitruppen im Reichskommissariat Ostland 330.000 Juden durch Erschießen. Es sind unbeschreiblich entsetzliche Vorgänge. Hunderttausendfach und öffentlich!
Lohse und seine Zivilverwalter kommen an, als die Massenmorde ihren Höhepunkt erreichten. Umfang, Offenheit und Art der Verbrechen überraschen und verunsichern einige von ihnen, unter ihnen auch der Reichskommissar selbst. Andere kooperieren sofort. Ab Dezember 1941 herrscht Verhaltenssicherheit: Der Mord an den europäischen Juden gilt als „Führerwille“.
Das Reichskommissariat Ostland wird auch Ziel von Deportationen deutscher Juden aus dem Reich; unter ihnen auch Juden aus Lohses Heimatgau Schleswig-Holstein.
Nur etwa 800 „Reichsjuden“ und nicht einmal 1.000 lettische Juden überleben dieses Inferno.
Hinweis:
Wir zeigen keine Fotografien der Erschießungen.
Damit wollen wir die Würde der Ermordeten wahren.